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Insolvenzordnung Volltext
 
§1 Ziele des Insolvenzverfahrens
 
Das Insolvenzverfahren dient dazu, die Gläubiger eines Schuldners gemeinschaftlich zu befriedigen, indem das Vermögen des Schuldners verwertet und der Erlös verteilt oder in einem Insolvenzplan eine abweichende Regelung insbesondere zum Erhalt des Unternehmens getroffen wird. Dem redlichen Schuldner wird Gelegenheit gegeben, sich von seinen restlichen Verbindlichkeiten zu befreien. 
 
§2 Amtsgericht als Insolvenzgericht
 
(1)
Für das Insolvenzverfahren ist das Amtsgericht, in dessen Bezirk ein Landgericht seinen Sitz hat, als Insolvenzgericht für den Bezirk dieses Landgerichts ausschließlich zuständig.

(2)
Die Landesregierungen werden ermächtigt, zur sachdienlichen Förderung oder schnelleren Erledigung der Verfahren durch Rechtsverordnung andere oder zusätzliche Amtsgerichte zu Insolvenzgerichten zu bestimmen und die Bezirke der Insolvenzgerichte abweichend festzulegen. Die Landesregierungen können die Ermächtigung auf die Landesjustizverwaltungen übertragen. 
 
§3 Örtliche Zuständigkeit
 
(1)
Örtlich zuständig ist ausschließlich das Insolvenzgericht, in dessen Bezirk der Schuldner seinen allgemeinen Gerichtsstand hat. Liegt der Mittelpunkt einer selbständigen wirtschaftlichen Tätigkeit des Schuldners an einem anderen Ort, so ist ausschließlich das Insolvenzgericht zuständig, in dessen Bezirk dieser Ort liegt.

(2)
Sind mehrere Gerichte zuständig, so schließt das Gericht, bei dem zuerst die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt worden ist, die übrigen aus. 
 
§4 Anwendbarkeit der Zivilprozeßordnung
 
Für das Insolvenzverfahren gelten, soweit dieses Gesetz nichts anderes bestimmt, die Vorschriften der Zivilprozeßordnung entsprechend. 
 
§4a Stundung der Kosten des Insolvenzverfahrens
 
(1)
Ist der Schuldner eine natürliche Person und hat er einen Antrag auf Restschuldbefreiung gestellt, so werden ihm auf Antrag die Kosten des Insolvenzverfahrens bis zur Erteilung der Restschuldbefrelung gestundet, soweit sein Vermögen voraussichtlich nicht ausreichen wird, um diese Kosten zu decken. Die Stundung nach Satz 1 umfasst auch die Kosten des Verfahrens über den Schuldenbereinigungsplan und des Verfahrens zur Restschuldbefreiung. Der Schuldner hat dem Antrag eine Erklärung beizufügen, ob einer der Versagungsgründe des § 290 Abs. 1 Nr. 1 und 3 vorliegt. Liegt ein solcher Grund vor, ist eine Stundung ausgeschlossen.

(2)
Werden dem Schuldner die Verfahrenskosten gestundet, so wird ihm auf Antrag ein zur Vertretung bereiter Rechtsanwalt seiner Wahl beigeordnet, wenn die Vertretung durch einen Rechtsanwalt trotz der dem Gericht obliegenden Fürsorge erforderlich erscheint. § 121 Abs. 3 bis 5 der Zivilprozessordnung gilt entsprechend.

(3)
Die Stundung bewirkt, dass
1. die Bundes- oder Landeskasse
a) die rückständigen und die entstehenden Gerichtskosten,
b) die auf sie übergegangenen Ansprüche des beigeordneten Rechtsanwalts nur nach den Bestimmungen, die das Gericht trifft, gegen den Schuldner geltend machen kann.
2. der beigeordnete Rechtsanwalt Ansprüche auf Vergütung gegen den Schuldner nicht geltend machen kann.
Die Stundung erfolgt für jeden Verfahrensabschnitt besonders. Bis zur Entscheidung über die Stundung treten die in Satz 1 genannten Wirkungen einstweilig ein. § 4b Abs. 2 gilt entsprechend. 
 
§4b Rückzahlung und Anpassung der gestundeten Beträge
 
(1)
Ist der Schuldner nach Erteilung der Restschuldbefreiung nicht in der Lage, den gestundeten Betrag aus seinem Einkommen und seinem Vermögen zu zahlen, so kann das Gericht die Stundung verlängern und die zu zahlenden Monatsraten festsetzen. § 115 Abs. 1 und 2 sowie § 120 Abs. 2 der Zivilprozessordnung gelten entsprechend.

2)
Das Gericht kann die Entscheidung über die Stundung und die Monatsraten jederzeit ändern, soweit sich die für sie maßgebenden persönlichen oder wirtschaftlichen Verhältnisse wesentlich geändert haben. Der Schuldner ist verpflichtet, dem Gericht eine wesentliche Änderung dieser Verhältnisse unverzüglich anzuzeigen. § 120 Abs. 4 Satz 1 und 2 der Zivilprozeßordnung gilt entsprechend. Eine Änderung zum Nachteil des Schuldners ist ausgeschlossen, wenn seit der Beendigung des Verfahrens vier Jahre vergangen sind.

§ 4c Aufhebung der Stundung Das Gericht kann die Stundung aufheben, wenn
1.der Schuldner vorsätzlich oder grob fahrlässig unrichtige Angaben über Umstände gemacht hat, die für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens oder die Stundung maßgebend sind, oder eine vom Gericht verlangte Erklärung über seine Verhältnisse nicht abgegeben hat;
2. die persönlichen oder wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Stundung nicht vorgelegen haben; in diesem Fall ist die Aufhebung ausgeschlossen, wenn seit der Beendigung des Verfahrens vier Jahre vergangen sind.
3. der Schuldner länger als drei Monate mit der Zahlung einer Monatsrate oder mit der Zahlung eines sonstigen Betrages schuldhaft in Rückstand ist;
4. der Schuldner keine angemessene Erwerbstätigkeit ausübt und, wenn er ohne Beschäftigung ist, sich nicht um eine solche bemüht oder eine zumutbare Tätigkeit ablehnt; § 296 Abs. 2 Satz 2 und 3 gilt entsprechend;
5. die Restschuldbefreiung versagt oder widerrufen wird. 
 
§4d Rechtsmittel
 
(1)
Gegen die Ablehnung der Stundung oder deren Aufhebung sowie gegen die Ablehung der Beiordnung eines Rechtsanwalts steht dem Schuldner die sofortige Beschwerde zu.

(2)
Wird die Stundung bewilligt, so steht der Staatskasse die sofortige Beschwerde zu. Diese kann nur darauf gestützt werden, dass nach den persönlichen oder wirtschaftlichen Verhältnissen des Schuldners die Stund hätte abgelehnt werden müssen. 
 
§5 Verfahrensgrundsätze
 
(1)
Das Insolvenzgericht hat von Amts wegen alle Umstände zu ermitteln, die für das Insolvenzverfahren von Bedeutung sind. Es kann zu diesem Zweck insbesondere Zeugen und Sachverständige vernehmen.

(2)
Die Entscheidungen des Gerichts können ohne mündliche Verhandlung ergehen.

(3)
Tabellen und Verzeichnisse können maschinell hergestellt und bearbeitet werden. 
 
§6 Sofortige Beschwerde
 
(1)
Die Entscheidungen des Insolvenzgerichts unterliegen nur in den Fällen einem Rechtsmittel, in denen dieses Gesetz die sofortige Beschwerde vorsieht.

(2)
Die Beschwerdefrist beginnt mit der Verkündung der Entscheidung oder, wenn diese nicht verkündet wird, mit deren Zustellung. Das Insolvenzgericht kann der Beschwerde abhelfen.

(3)
Die Entscheidung des Landgerichts über die Beschwerde wird erst mit der Rechtskraft wirksam. Das Landgericht kann jedoch die sofortige Wirksamkeit der Entscheidung anordnen. 
 
§7 Weitere Beschwerde
 
(1)
Gegen die Entscheidung des Landgerichts läßt das Oberlandesgericht auf Antrag die sofortige weitere Beschwerde zu, wenn diese darauf gestützt wird, daß die Entscheidung auf einer Verletzung des Gesetzes beruht, und die Nachprüfung der Entscheidung zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung geboten ist. Für den Zulassungsantrag gelten die Vorschriften über die Einlegung der sofortigen weiteren Beschwerde entsprechend, für die Prüfung der Verletzung des Gesetzes die §§ 550, 551, 561 und 563 der Zivilprozeßordnung.

(2)
Will das Oberlandesgericht bei der Entscheidung über die weitere Beschwerde in einer Frage aus dem Insolvenzrecht von der auf weitere Beschwerde ergangenen Entscheidung eines anderen Oberlandesgerichts abweichen, so hat es die weitere Beschwerde dem Bundesgerichtshof zur Entscheidung vorzulegen. Ist über die Rechtsfrage bereits eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs ergangen, so gilt das gleiche, wenn das Oberlandesgericht von dieser Entscheidung abweichen will. Der Vorlagebeschluß ist zu begründen; ihm ist die Stellungnahme des Beschwerdeführers beizufügen.

(3)
Sind in einem Land mehrere Oberlandesgerichte errichtet, so kann die Entscheidung über die weitere Beschwerde in Insolvenzsachen von den Landesregierungen durch Rechtsverordnung einem der Oberlandesgerichte oder dem Obersten Landesgericht zugewiesen werden, sofern die Zusammenfassung der Rechtspflege in Insolvenzsachen, insbesondere der Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung, dienlich ist. Die Landesregierungen können die Ermächtigung auf die Landesjustizverwaltungen übertragen. Absatz 2 bleibt unberührt. 
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InsO-Gliederung

Erster Teil 
§§ 1-10 
Allgemeine Vorschriften
 
Zweiter Teil 
§§ 11-79 
Eröffnung des Insolvenzverfahrens.
Erfasstes Vermögen und Verfahrensbeteiligte
 
Erster Abschnitt 
§§ 11-34 
Eröffnungsvoraussetzungen und Eröffnungsverfahren
 
Zweiter Abschnitt 
§§ 35-55 
Insolvenzmasse.
Einteilung der Gläubiger
 
Dritter Abschnitt 
§§ 56-79 
Insolvenzverwalter.
Organe der Gläubiger
 
Dritter Teil 
§§ 80-147 
Wirkungen der Eröffnung
des Insolvenzverfahrens
 
Erster Abschnitt 
§§ 80-102 
Allgemeine Wirkungen
 
Zweiter Abschnitt 
§§ 103-128 
Erfüllung der Rechts-
geschäfte. Mitwirkung
des Betriebsrats
 
Dritter Abschnitt 
§§ 129-147 
Insolvenzanfechtung
 
Vierter Teil 
§§ 148-173 
Verwaltung und Verwer-
tung der Insolvenzmasse
 
Erster Abschnitt 
§§ 148-155 
Sicherung der
Insolvenzmasse
 
Zweiter Abschnitt 
§§ 156-164 
Entscheidung über
Verwertung
 
Dritter Abschnitt 
§§ 165-173 
Gegenstände mit Absonderungsrechten
 
Fünfter Teil 
§§ 174-216 
Befriedigung der Insolvenzgläubiger.
Einstellung des Verfahrens
 
Erster Abschnitt 
§§ 174-186 
Feststellung der Forderung
 
Zweiter Abschnitt 
§§ 187-206 
Verteilung
 
Dritter Abschnitt 
§§ 207-216 
Einstellung des Verfahrens
 
Sechster Teil 
§§ 217-269 
Insolvenzplan
 
Erster Abschnitt 
§§ 217-234 
Aufstellung des Plans
 
Zweiter Abschnitt 
§§ 235-253 
Annahme und Bestätigung
des Plans
 
Dritter Abschnitt 
§§ 254-269 
Wirkungen des bestätigten
Plans. Überwachung der
Planerfüllung
 
Siebter Teil 
§§ 270-285 
Eigenverwaltung
 
Achter Teil 
§§ 286-303 
Restschuldbefreiung
 
Neunter Teil 
§§ 304-314 
Verbraucherinsolvenz-
verfahren und sonstige
Kleinverfahren
 
Erster Abschnitt 
§§ 304 
Anwendungsbereich
 
Zweiter Abschnitt 
§§ 305-310 
Schuldenbereinigungsplan
 
Dritter Abschnitt 
§§ 311-314 
Vereinfachtes Insolvenzverfahren
 
Zehnter Teil 
§§ 315-334 
Besondere Arten des Insolvenzverfahrens
 
Erster Abschnitt 
§§ 315-331 
Nachlassinsolvenzverfahren
 
Zweiter Abschnitt 
§§ 332 
Insolvenzverfahren über
das Gesamtgut einer fort-
gesetzten Gütergemeinschaft
 
Dritter Abschnitt 
§§ 333, 334 
Insolvenzverfahren über
das gemeinschaftlich
verwaltete Gesamtgut einer Gütergemeinschaft
 
Elfter Teil 
§§ 335 
Inkrafttreten
 
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