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Was macht den Strom so teuer?

Windmuehlen

Obwohl der eigentliche Strompreis an der Börse fällt, steigen die Stromkosten der Endverbraucher. Wir erklären, wie sich die Stromkosten zusammen setzen und wer welche Kosten und Risiken trägt.

Strompreis

Der eigentliche Strompreis für die in Anspruch genommene Energie macht, abhängig vom Tarif, ca. 20 – 25 % der gesamten Stromkosten aus. Er wird maßgeblich durch den Preis an der Strombörse bestimmt. Die Energieversorger kaufen die elektrische Energie in der Regel über die Leipziger Strombörse ein, an der die Strompreise in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken sind. Dennoch sind die Stromkosten für den Großteil der Endverbraucher gestiegen.

Verrechnungskosten

Der Verrechnungspreis wird in der Regel nur bei Sondervertragskunden ausgewiesen. Er beinhaltet die Kosten für den Messstellenbetrieb, die Messung und die Abrechnung. Es handelt sich in der Regel um eine feste Jahrespauschale. Wieviel sie anteilig an von Gesamtkosten ausmacht, hängt maßgeblich vom Stromverbrauch des Endverbrauchers ab.

Netznutzungsentgelte

Der größte Kostenfaktor besteht in der Netznutzung. Die reinen Netznutzungsentgelte machen i.d.R. rund 25 – 30 Prozent der Stromkosten aus, sie fallen damit höher aus, als die eigentlichen Stromkosten. Sie werden dafür bezahlt, dass der Strom von den Kraftwerken zu den Endverbrauchern durchgeleitet wird. Von der Netznutzung sind auch diverse Umlagen und Abgaben abhängig. Diese inbegriffen, machen die Netznutzungskosten für gewerbliche Endkunden, die keine Sondervergünstigungen geltend machen, ca. 60 – 75 Prozent der Stromkosten aus. Nicht jedem Angebot und jeder Abrechnung ist eindeutig zu entnehmen, welche Anteile auf die Netznutzungsentgelte und welche auf den eigentlichen Strompreis entfallen. Selbst wenn Kosten der Netznutzung ausgewiesen werden, können weitere Kosten der Netznutzung in anderen Kostenbestandteilen enthalten sein. Die Kosten der Netznutzung sind in den letzten Jahren gestiegen, vermutlich werden sie auch künftig steigen.

Umlage der Stromnetzentgeltverordnung

Um besonders stromintensive Unternehmen bei den Kosten der Netznutzung zu entlasten, können diese unter bestimmten Voraussetzungen Vergünstigungen geltend machen. Die daraus resultierenden Mindereinnahmen können auf die sonstigen Endverbraucher umgelegt werden. Ursprünglich hatte die Stromnetzentgeltverordnung unter bestimmten Voraussetzungen eine vollständige Befreiung stromintensiver Unternehmen vorgesehen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat im März 2013 entschieden, dass eine vollständige Befreiung einzelner Unternehmen von den Netznutzungsentgelten unzulässig ist. Auch die EU-Kommission hatte wegen Übervorteilung stromintensiver Unternehmen Zweifel an der Zulässigkeit der Regelung geäußert. Deshalb wurde in der Stromnetzentgelteverordnung die Komplettbefreiung in eine Teilbefreiung abgeändert.

EEG-Umlage

Die EEG-Umlage dürfte die bekannteste Umlage sein. Vermutlich gibt es keine zweite Umlage, die für politische Zwecke so missbraucht wird, wie die EEG-Umlage. Bei der EEG-Umlage handelt es sich um ein wesentlich komplexeres Umverteilungssystem als auf den ersten Blick zu vermuten wäre. EEG steht für das Erneuerbare-Energien-Gesetz, dort ist die Höhe der Vergütungsansprüche geregelt, die den Betreibern von regenerativen Stromerzeugungsanlagen zustehen. Stark vereinfacht gesagt, wird die EEG-Umlage aus der Differenz zwischen dem Börsenpreis – der für Strom an der Leipziger Strombörse zu zahlen ist – und der Einspeisevergütung berechnet, die an die Betreiber der regenerativen Stromerzeugungsanlagen zu zahlen ist. Weil die EEG-Umlage auch vom Börsenpreis abhängig ist, hat sich der Preisverfall an der Leipziger Strombörse zu einem zentralen Preistreiber der EEG-Umlage entwickelt.

Neben dem Preisverfall und dem weiteren Ausbau regenerativer Energiequellen sind in der EEG-Umlage jedoch noch weitere Preistreiber enthalten. So bekommen stromintensive Unternehmen einen gestaffelten Nachlass auf die EEG-Umlage. Je höher ihr Energiebedarf ist, desto höher fällt der ihnen auf die EEG-Umlage gewährte Rabatt aus. Diese Rabatte werden mit der EEG-Umlage ebenfalls auf die sonstigen Endverbraucher umgelegt. Auch für den Schienenverkehr gibt es eine Sonderregelung, die von den anderen Endverbrauchern mit finanziert wird. Lediglich auf 1/10 des aus den Netzen bezogenen Stroms muss die Bahn die EEG-Umlage in voller Höhe entrichten, für 9/10 ist die EEG-Umlage auf 0,05 Cent/kWh begrenzt. Den Koaltionsverhandlungen von Union und SPD zufolge, sollen diese Rabatte auf den Prüfstand gestellt werden. Welche Veränderungen kommen, bleibt abzuwarten. Einer Antwort des Bundesumweltministeriums zufolge, läge die EEG-Umlage für das Jahr 2014 ohne die ganzen Rabatte bei 4,89 Cent/kWh, anstelle der 6,24 Cent/kWh. Werden nur die Rabatte gekürzt, ohne die EEG-Umlage strukturell zu ändern, so beläuft sich die maximale Verhandlungsmasse mithin auf 1,35 Cent/kWh, was für den durchschnittlichen Endverbraucher in etwa 6 – 7 Prozent der Stromkosten ausmacht.

Offshore-Umlage

Die Offshore-Umlage ist eine Art Vollkaskoversicherung der Übertragungsnetzbetreiber. Wird eine Offshore-Windenergieanlage verspätet an das öffentliche Netz angeschlossen, ist der Übertragungsnetzbetreiber dem Betreiber der Offshore-Anlage zum Schadensersatz verpflichtet. Die mit den Schadensersatzzahlungen verbundenen Mehrkosten dürfen die Übertragungsnetzbetreiber uneingeschränkt auf die Endverbraucher umlegen, auch wenn sie beim verspäteten Anschluss fahrlässig gehandelt haben. Mit rund 1 % der Gesamtenergiekosten fällt die Offshore-Umlage nicht sehr stark ins Gewicht, sie gibt jedoch Aufschluss darüber, welchen Einfluss die Energieversorger auf die politische Willensbildung haben.

KWK-Umlage

Die sogenannte KWK-Umlage ist im Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz niedergelegt. Das Gesetz regelt die Abnahme und Vergütung von Strom aus Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen. In KWK-Anlagen werden Strom und Nutzwärme gleichzeitig erzeugt. Finanziert wird die Förderung über die KWK-Umlage. Auch hier werden die Mehrkosten von den Endverbrauchern getragen. Firmen mit hohem Energiebedarf kommen auch hier in den Genuss einer vergünstigten Umlage, die übrigen Endverbraucher dürfen auch diese Vergünstigungen mitfinanzieren. Die KWK-Umlage schlägt mit ca. 0,6 % der Gesamtenergiekosten vergleichsweise gering zu Buche. Sofern die KWK-Umlage in der Abrechnung nicht ausdrücklich ausgewiesen ist, bedeutet dies nicht, dass sie nicht berechnet wurde. Wird sie nicht gesondert ausgewiesen, ist sie im Zweifel im Netznutzungsentgelt mit eingerechnet.

Abschalt-Umlage

Bei der Umlage für abschaltbare Lasten handelt es sich um die jüngste vom Gesetzgeber eingeführte Umlage. Die Verordnung zu abschaltbaren Lasten soll stromintensiven Unternehmen Anreize bieten, ihre Verbrauchseinrichtungen bei Spitzenlasten durch den Übertragungsnetzbetreiber abschalten zu lassen. Unternehmen, die ihre Verbrauchseinrichtungen als abschaltbare Lasten bereitstellen, bekommen dies von den Netzbetreibern vergütet, diese können ihrerseits diese Kosten auf die Endverbraucher umlegen. Die Abschaltung soll dem Lastausgleich innerhalb des Netzes dienen. Die großen Energieversorger können hierdurch das kurzfristige An- und Abschalten von Kraftwerken vermeiden, was für diese mit noch höheren Kosten verbunden wäre. Im Ergebnis sparen die Netzbetreiber Geld, wenn stromintensive Unternehmen ihre Verbrauchseinrichtungen bei Spitzenlasten zur Abschaltung bereit stellen. Dennoch hat der Gesetzgeber ihnen die Möglichkeit eröffnet, die Zahlungen für abschaltabe Lasten auf die Endverbraucher umzulegen.

Konzessionsabgabe

Die Konzessionsabgabe wurde im Jahr 1993 eingeführt. Sie wird von den Energieversorgern im Auftrag der Gemeinden und Städte eingezogen. Bei der Konzessionsabgabe handelt es sich um ein Entgelt für die Nutzung öffentlicher Verkehrswege zur Verlegung von Stromleitungen und deren Betrieb. Die Höhe der Konzessionsabgabe ist abhängig von der Größe der Gemeinde bzw. Stadt, der Qualifizierung als Tarifkunde (Privatpersonen und Firmen mit geringem Stromverbrauch) oder Sondervertragskunde (Unternehmen mit höherem Stromverbrauch). Die Konzessionsabgabe kann je nach Einzelfall zwischen 0,5 und 8 % der Stromkosten ausmachen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann durch Beeinflussung der abgerufenen Lasten die Höhe der Konzessionsabgabe von Sondervertragskunden beeinflusst werden. Nicht immer wird die Konzessionsabgabe im Strompreis separat ausgewiesen, gezahlt wird sie dennoch von jedem Stromkunden.

Stromsteuer

Die Stromsteuer beläuft sich derzeit auf 2,05 Cent pro verbrauchter Kilowattstunde. Sie wurde zum 01. April 1999 in Deutschland eingeführt. Sie war Bestandteil der ökologischen Steuerreform. Die Mineralölsteuer wurde erhöht und die Stromsteuer eingeführt. Der überwiegende Teil der Einnahmen aus der Stromsteuer fließt angeblich in die Rentenkasse. Hierdurch sollen die Beitragszahler der Sozialversicherung entlastet und die Lohnnebenkosten gesenkt werden. Alle Stromverbraucher leisten damit einen Beitrag für die Rentenkasse.

Umsatzsteuer

Auf sämtliche vorstehenden Kosten wird sodann noch die Umsatzsteuer fällig. Für zum Vorsteuerabzug berechtigte Unternehmer spielt sie in der Regel keine Rolle.

Transparenzgebot

Wegen der Vielzahl der Preisbestandteile, die in Angeboten und Rechnungen sehr unterschiedlich offen gelegt oder in anderen Preisbestandteilen mit einkalkuliert werden, ist es für die meisten Endverbraucher fast unmöglich, den Strommarkt zu durchschauen. Haben Sie als Sondervertragskunde schon versucht, Ihren Strombezugsvertrag und die Stromrechnungen zu verstehen? So komplex die Regelungen sind, so kompliziert wirken auch die Stromrechnungen für Sondervertragskunden.

Der Gesetzgeber hat die komplizierten Strukturen geschaffen, nun führt er seit dem 04.08.2011 zur Transparenz in § 40 Abs. 1 Satz 1 EnWG (Energiewirtschaftsgesetz) folgendes aus:

„Rechnungen für Energielieferungen an Endverbraucher müssen einfach und verständlich sein.“

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